
SAMR-Modell: Definition, Stufen und Beispiele für die Integration von IKT im Unterricht
Einführung in das SAMR-Modell
Technologie gehört an vielen Schulen in Spanien zum Alltag. Interaktive Displays, Computer, Tablets und digitale Anwendungen eröffnen neue Möglichkeiten für das Lehren und Lernen. Dass all diese Mittel vorhanden sind, garantiert jedoch noch nicht, dass ihr pädagogisches Potenzial voll genutzt wird.
Woran erkennen wir, ob Technologie eine Aktivität verbessert oder lediglich ein herkömmliches Mittel durch ein digitales ersetzt?
Das SAMR-Modell bietet einen Rahmen, um die Einbindung von Technologie in Bildungsprozesse und Möglichkeiten zur Verbesserung von Lehre und Lernen zu analysieren.
Anhand von vier Stufen hilft uns das Modell, über den Einsatz technischer Mittel im Unterricht nachzudenken: vom Ersatz herkömmlicher Werkzeuge bis zur Gestaltung neuer Lernerfahrungen.
Für Lehrkräfte und IKT-Koordinatoren kann das Verständnis des SAMR-Modells dabei helfen, Aktivitäten zu planen, Fortbildungsbedarf zu erkennen und fundiertere Entscheidungen über die Einbindung von IKT an Schulen zu treffen.
In diesem Artikel erklären wir, was das SAMR-Modell ist, welche vier Stufen es umfasst und wie es sich anhand praktischer Beispiele im Unterricht anwenden lässt.
Was ist das SAMR-Modell?
Das SAMR-Modell ist ein konzeptioneller Rahmen, den der Pädagoge und Forscher Ruben R. Puentedura entwickelt hat, um zu untersuchen, wie Technologie in Bildungsprozesse eingebunden wird.
Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der englischen Begriffe Substitution, Augmentation, Modification und Redefinition zusammen. Auf Deutsch lassen sie sich als Ersetzung, Erweiterung, Umgestaltung und Neudefinition übersetzen.
Diese vier Stufen beschreiben unterschiedliche Arten des Technologieeinsatzes im Unterricht, je nachdem, wie er die Lernaktivitäten beeinflusst.
Das Modell gliedert sich in zwei große Kategorien:
- Verbesserung: Sie umfasst Ersetzung und Erweiterung. Technologie ersetzt herkömmliche Werkzeuge oder bringt funktionale Verbesserungen.
- Transformation: Sie umfasst Umgestaltung und Neudefinition. Technologie ermöglicht es, Aktivitäten neu zu gestalten oder neue Lernmöglichkeiten zu schaffen.
Das Ziel besteht nicht darin, Technologie um ihrer selbst willen einzusetzen, sondern zu überlegen, was sie zu jeder Aktivität beiträgt und wie sie Bildungsziele unterstützen kann.
Das SAMR-Modell kann daher als Ausgangspunkt dienen, um die Nutzung vorhandener Mittel zu bewerten und eine bewusstere Integration von IKT anzustreben, die geplant ist und sich an den tatsächlichen Bedürfnissen von Lernenden und Lehrkräften orientiert.
Welche vier Stufen hat das SAMR-Modell?
Die vier Stufen des SAMR-Modells zeigen verschiedene Wege auf, Technologie in Bildungsprozesse einzubinden. Um die Unterschiede zu verstehen, sollte man die Merkmale jeder Stufe und ihre Anwendung im Unterricht betrachten.
1. Ersetzung: Technologie als Alternative zu einem herkömmlichen Werkzeug nutzen
Auf der Stufe der Ersetzung tritt Technologie an die Stelle eines herkömmlichen Mittels, ohne die Aktivität wesentlich zu verändern.
Das Medium ändert sich, die Aufgabe bleibt jedoch im Wesentlichen gleich.
Beispiele für Ersetzung im Unterricht:
- Einen Text, der früher an die Tafel geschrieben wurde, auf einem interaktiven Display anzeigen.
- Ein Buch digital statt in gedruckter Form lesen.
- Ein Arbeitsblatt als PDF ausgeben, das die Lernenden ausfüllen, ohne die Aktivität zu verändern.
- Eine digitale Präsentation zeigen, die Inhalte wiedergibt, die früher anhand von Notizen oder Folien erklärt wurden.
In diesen Beispielen erleichtert Technologie den Zugang zu Materialien, verbessert ihre Lesbarkeit oder vereinfacht ihre Verteilung. Die grundlegende Lerndynamik bleibt jedoch genau gleich.
Was sollten wir uns als IKT-Koordinatoren also fragen?
Erleichtert die Ersetzung den Zugang zu Inhalten, spart sie Zeit oder löst sie ein konkretes Problem?
Auch wenn dies die einfachste Stufe des Modells ist, kann die Ersetzung eines herkömmlichen Mittels sinnvoll sein, wenn sie einem Bildungsziel dient.
2. Erweiterung: eine Aktivität mit digitalen Funktionen verbessern
Auf der Stufe der Erweiterung erfüllt Technologie eine ähnliche Funktion wie das herkömmliche Mittel, bietet aber funktionale Verbesserungen, die die Durchführung der Aktivität erleichtern.
Der Unterschied liegt darin, die Möglichkeiten des digitalen Werkzeugs zur Bereicherung des Lernprozesses zu nutzen.
Beispiele für Erweiterung im Unterricht:
- Ein interaktives Display nutzen, um Bilder zu vergrößern, Informationen hervorzuheben oder Inhalte mit Anmerkungen zu versehen.
- Eine digitale Aktivität um automatisch korrigierte Fragen ergänzen, damit Lernende ihre Antworten überprüfen können.
- Lehrmaterial um Audio, Untertitel oder visuelle Elemente ergänzen, damit es leichter verständlich wird.
- Mit digitalen Werkzeugen die Antworten der Lernenden ordnen und Fehler schneller erkennen.
In diesen Fällen behält die Aktivität ihren Hauptzweck, doch Technologie bietet Funktionen, die das Lehren und Lernen verbessern können.
Was sollten wir uns als IKT-Koordinatoren also fragen?
Welche konkrete Verbesserung bringt die Technologie? Fördert sie Verständnis, Beteiligung, Barrierefreiheit oder Rückmeldung?
Die Integration von IKT ist besonders hilfreich, wenn sie einem erkannten Bedarf entspricht und sich nicht darauf beschränkt, ohne klares Ziel digitale Werkzeuge hinzuzufügen.
3. Umgestaltung: eine Aktivität mithilfe von Technologie neu gestalten
Die dritte Stufe ist erreicht, wenn Technologie eine deutliche Neugestaltung einer Lernaktivität ermöglicht.
Statt nur eine bestehende Aufgabe zu verbessern, verändert sie, wie Lernende arbeiten, sich beteiligen, Informationen ordnen oder zusammenarbeiten, um Lernziele zu erreichen.
Beispiele für Erweiterung im Unterricht:
- Eine gemeinsame Concept-Map erstellen, in der mehrere Lernende Begriffe verknüpfen, Beispiele ergänzen und ihre Beiträge gemeinsam prüfen.
- Ein Problem in Gruppen anhand gemeinsamer Dokumente analysieren, wobei jedes Team Informationen beiträgt und Rückmeldungen von Mitschülern erhält.
- Eine formative Bewertung gestalten, bei der die Lehrkraft Antworten der ganzen Klasse sammelt und ihre Erklärung an erkannte Schwierigkeiten anpasst.
- Eine gemeinsame Präsentation mit Texten, Bildern, Videos und Quellenmaterial zu einem Thema erstellen.
In diesen Fällen ermöglicht Technologie eine andere Organisation der Aktivität und der Beteiligung der Lernenden.
Was sollten wir uns als IKT-Koordinatoren also fragen?
Wie verändert sich die Aktivität durch Technologie? Erleichtert sie Zusammenarbeit, die Überarbeitung von Ergebnissen oder den Austausch von Informationen, der zuvor schwieriger war?
Der Wert dieser Stufe liegt in der Neugestaltung der Aufgabe, nicht in der Anzahl der eingesetzten Werkzeuge.
4. Neudefinition: neue Lernmöglichkeiten schaffen
Auf der Stufe der Neudefinition ermöglicht Technologie neue Aktivitäten, die zuvor nicht oder nur sehr schwer durchführbar waren.
Sie erweitert die Möglichkeiten der Lernenden, zu gestalten, zusammenzuarbeiten und zu kommunizieren.
Beispiele für Erweiterung im Unterricht:
- Ein Multimedia-Projekt zu einem Umweltproblem erstellen, es mit einer anderen Schule teilen und Beiträge von Lernenden aus einem anderen Ort oder Land erhalten.
- Einen Dokumentarfilm mit Interviews, Bildern, Erzählung und von den Lernenden gesammelten Daten produzieren und ihn für ein echtes Publikum veröffentlichen.
- Eine interaktive virtuelle Ausstellung entwickeln, in der Lernende ihre Forschung vorstellen und andere Gruppen die Inhalte erkunden und Fragen stellen können.
- Mit einer Klasse in einem anderen Land gemeinsam forschen, Daten vergleichen und eine gemeinsame Präsentation erstellen.
In diesen Beispielen ermöglicht Technologie Lernerfahrungen, die über die bloße Digitalisierung einer herkömmlichen Aktivität hinausgehen.
Was sollten wir uns als IKT-Koordinatoren also fragen?
Welche neuen Lernmöglichkeiten bietet die Technologie? Ermöglicht sie Gestaltung, Austausch oder Zusammenarbeit auf eine Weise, die unter ähnlichen Bedingungen zuvor nicht verfügbar war?
Bei der Neudefinition geht es nicht darum, das fortschrittlichste Werkzeug einzusetzen, sondern damit relevante Lernerfahrungen zu schaffen.

Das SAMR-Modell und die Integration von IKT in Bildungsprozesse
IKT in Bildungsprozesse zu integrieren bedeutet mehr, als Geräte oder Anwendungen in den Unterricht zu bringen. Man muss entscheiden, wie und wofür sie eingesetzt werden, und dabei Lernziele, Eigenschaften der Lernenden und das Umfeld der Schule berücksichtigen.
In diesem Sinne bietet das SAMR-Modell eine Struktur, um den Technologieeinsatz zu analysieren und mögliche Verbesserungen zu erwägen.
Beispielsweise kann ein interaktives Display dieselben Inhalte zeigen, die früher an eine herkömmliche Tafel geschrieben wurden. In diesem Fall ersetzt Technologie ein vorhandenes Mittel.
Es kann aber auch Aktivitäten unterstützen, bei denen Lernende Begriffe ordnen, ihre Beiträge teilen, Probleme lösen und ihre Überlegungen erläutern. Je nach Gestaltung der Aktivität kann Technologie eine tiefgreifendere Veränderung des Lernens ermöglichen.
Das zeigt, dass das pädagogische Potenzial eines Geräts nicht nur von seinen technischen Eigenschaften abhängt. Entscheidend sind auch seine Einbindung in die Unterrichtsmethode und die Möglichkeiten, die es Lernenden bietet.
Um die Integration von IKT an einer Schule zu bewerten, sollten drei Aspekte betrachtet werden:
- Pädagogische Ziele: Was sollen die Lernenden lernen, und welche Rolle spielt Technologie dabei?
- Kompetenzen und Fortbildung der Lehrkräfte: Welche Kenntnisse und Mittel benötigen Lehrkräfte, um passende Aktivitäten zu gestalten?
- Bewertung der Ergebnisse: Welche Nachweise zeigen, ob Technologie zum Erreichen der vorgesehenen Ziele beiträgt?
Das SAMR-Modell kann helfen, diese Überlegungen zu strukturieren. Es ersetzt aber keine umfassende Bewertung des Bildungsbedarfs und bestimmt allein nicht die Qualität einer Aktivität.
Beispiele für das SAMR-Modell anhand derselben Aktivität
Eine einfache Möglichkeit, das Modell zu verstehen, besteht darin zu betrachten, wie sich dieselbe Aktivität je nach Technologieeinsatz entwickeln kann.
Stellen wir uns vor, die Lernenden sollen ein Thema verstehen, seine Hauptbegriffe erkennen und es erklären können.
| SAMR-Stufen | Praktisches Beispiel | Was ändert sich? |
|---|---|---|
| Ersetzung | Die Lehrkraft zeigt Notizen auf dem Bildschirm, statt sie an die Tafel zu schreiben. | Das Medium ändert sich, die Dynamik bleibt gleich. |
| Erweiterung | Sie ergänzt vergrößerbare Bilder, Anmerkungen und interaktive Fragen, um das Verständnis zu prüfen. | Funktionale Verbesserungen kommen hinzu. |
| Umgestaltung | Lernende erstellen gemeinsam eine Concept-Map, verknüpfen Ideen und prüfen die Beiträge ihrer Mitschüler. | Die Aktivität wird durch Zusammenarbeit neu gestaltet. |
| Neudefinition | Lernende erstellen eine Multimedia-Erklärung, teilen sie mit einer anderen Klasse und verbessern sie anhand der erhaltenen Rückmeldungen. | Neue Möglichkeiten für Gestaltung und Kommunikation kommen hinzu. |
Dieses Beispiel zeigt, dass ein Bildungsziel auf unterschiedliche Weise verfolgt werden kann. Die Wahl hängt vom Zweck der Aktivität, den Eigenschaften der Lernenden, den verfügbaren Mitteln und der benötigten Zeit ab.
Eine Aktivität ist nicht automatisch besser, weil sie einer höheren Stufe zugeordnet wird. Eine einfache Erklärung kann am besten geeignet sein, einen Begriff einzuführen, während ein gemeinsames Projekt ihn vertiefen kann.
Das SAMR-Modell hilft, Möglichkeiten zu analysieren, ersetzt aber nicht das pädagogische Urteil der Lehrkraft.
Welche Rolle spielt das SAMR-Modell für IKT-Koordinatoren?
Für IKT-Koordinatoren kann das SAMR-Modell ein nützliches Werkzeug sein, um den Blick auf die Technologie der Schule zu erweitern.
Technologieplanung sollte sich nicht darauf beschränken, Geräte zu zählen, ihren Aktualisierungsstand oder ihre Funktion zu prüfen. Ebenso wichtig ist, wie sie genutzt werden und ob sie den tatsächlichen Bedürfnissen von Lehrkräften und Lernenden entsprechen.
Das Modell kann diese Überlegungen in mehreren Bereichen unterstützen.
Nutzung technischer Mittel bewerten. Die Analyse des Einsatzes interaktiver Displays, Geräte und Anwendungen zeigt, ob sie den Bedürfnissen der Lehrkräfte entsprechen und welche weiteren Möglichkeiten es gibt.
Fortbildungsbedarf erkennen. Werden die Mittel hauptsächlich zur Darstellung von Materialien genutzt, kann eine praktische Schulung zu interaktiven Funktionen, formativer Bewertung oder gemeinsamen Aktivitäten sinnvoll sein. Die Fortbildung sollte bei den tatsächlichen Bedürfnissen des Kollegiums ansetzen.
Technologieplanung steuern. Zu wissen, welche Aktivitäten die Schule entwickeln möchte, hilft, die benötigten Funktionen und Mittel zu erkennen. So lassen sich Kaufentscheidungen an konkrete Bildungsziele knüpfen.
Austausch bewährter Verfahren fördern. Der Erfahrungsaustausch unter Lehrkräften hilft, erfolgreiche Aktivitäten zu erkennen, neue Einsatzmöglichkeiten kennenzulernen und sie an unterschiedliche Fächer anzupassen.
Das SAMR-Modell ist weder ein Werkzeug für technische Audits noch ein System zur Bewertung der Leistung einzelner Lehrkräfte. Es kann die Analyse des Bildungsbedarfs ergänzen, muss aber das Umfeld, die Infrastruktur, die vorhandenen Mittel und die Ziele jeder Schule berücksichtigen.
Letztlich geht es darum, Technologie pädagogisch sinnvoll einzusetzen. Vor der Einführung eines neuen Werkzeugs oder der Erneuerung vorhandener Mittel lohnt sich die Frage, welches Problem gelöst und welche Verbesserung erreicht werden soll.
Wir bei SYNETECH sind überzeugt, dass Bildungstechnologie den tatsächlichen Bedürfnissen von Schulen entsprechen muss. Die Nutzung vorhandener Mittel zu prüfen, ist deshalb ein guter erster Schritt zu fundierteren Technologieentscheidungen.
Nutzt Ihre Schule das Potenzial der Technologie im Unterricht voll aus? Die Analyse von Aktivitäten, Gespräche mit Lehrkräften und die Ermittlung von Lernbedürfnissen können helfen, Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.



